Nachdem Jesus das Reich Gottes skizzierte, spricht er in Matthäus 7 davon, wie man mit dieser Botschaft umgehen kann.
Im letzten Beitrag sahen wir, dass jede Person, die Gott sucht, ihn findet und den Heiligen Geist empfängt. Dieser wird die Person leiten und verändern. Wir sollen auch nicht zulassen, dass das, was uns heilig ist, von anderen zerrissen und zertreten wird.
Nun geht es darum, wie die Botschaft vom Reich Gottes aufgenommen wird und worauf es wirklich ankommt.
In Matthäus 7 ab Vers 13 heißt es: „Geht hinein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit und der Weg ist breit, der zur Verdammnis führt, und viele sind’s, die auf ihm hineingehen. 14 Wie eng ist die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind’s, die ihn finden!
15 Seht euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe. 16 An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man denn Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln? 17 So bringt jeder gute Baum gute Früchte; aber ein fauler Baum bringt schlechte Früchte. 18 Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte bringen und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. 19 Jeder Baum, der nicht gute Früchte bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. 20 Darum, an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.
21 Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr!, in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel. 22 Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt? Haben wir nicht in deinem Namen Dämonen ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Machttaten getan? 23 Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch nie gekannt; weicht von mir, die ihr das Gesetz übertretet!
24 Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. 25 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet. 26 Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute. 27 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein und sein Fall war groß.
28 Und es begab sich, als Jesus diese Rede vollendet hatte, dass sich das Volk entsetzte über seine Lehre; 29 denn er lehrte sie mit Vollmacht und nicht wie ihre Schriftgelehrten.“
Man könnte diese verschiedenen Bilder einzeln betrachten. Aber gerade der Zusammenhang eröffnet eine neue Perspektive.
Der erste Punkt, den Jesus nennt, ist: Man muss sich entscheiden. „Geht hinein durch die enge Pforte“. Die Botschaft Jesu ist eine Einladung. Aber wir müssen mit unserem Leben darauf antworten und uns für Gottes Weg entscheiden.
Dann sagt Jesus: Die meisten Menschen entscheiden sich nicht für den Weg mit Gott, sondern rennen ins Verderben und vergeuden ihr Leben. Das Wort, das in Vers 13 mit Verdammnis übersetzt wird, ist apoleia (ἀπώλεια), was Verderben, Vergeudung oder Untergang bedeutet. Matthäus verwendet das Wort noch einmal in Matthäus 26,8 als eine Frau Jesus mit einem kostbaren Öl salbt. Dort heißt es: „Als aber die Jünger es sahen, wurden sie unwillig und sprachen: Wozu diese Vergeudung?“
Der schmale Weg ist der Weg des Lebens. Im Umkehrschluss ist der breite Weg der Pfad des Todes. Das sagt auch der barmherzige Vater in Lukas 15,24: „Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden.“ Das war auch die Ankündigung in 1.Mose 2,17: Wenn „du davon isst, musst du sterben!“ Der Mensch ist aus göttlicher Sicht im Zustand des Todes und nicht an der göttlichen Lebensquelle angeschlossen.
Dann sagt Jesus, es werden falsche Lehrer auftreten. Die sind wie Wölfe im Schafspelz. Sie zerreißen oder verdrehen den Glauben, wie die Schlange in 1.Mose 3,1: „Hat Gott wirklich gesagt?“ und in 1.Mose 3,4: „Keineswegs werdet ihr sterben!“
Spannend ist, was Jesus als Kriterium nennt, um sie zu identifizieren: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.“ Es geht also nicht um Einzelaussagen, sondern um das Gesamtkonzept und was sie bewirken.
Juden vergleichen gerne die verschiedenen Aussagen der Rabbiner. Der ganze Talmud ist eine Diskussion darüber, wie verschiedene Rabbiner die Torah, die fünf Bücher Mose, interpretieren. Jesus will aber nicht diskutiert werden. Er spricht mit göttlicher Vollmacht. Er wurde nicht als ein Rabbi geboren, sondern als König – als eine Autorität.
Menschen, die einen Weg gehen, welcher die Aussagen der Bibel in Frage stellt, geraten immer mehr ins Abseits und der Glaube kommt in den Stürmen des Lebens immer mehr ins Wanken. In diesem Text steht, dass ein solches Leben vergeht. Jesus benutzt das Bild des Feuers (Vers 19).
In Matthäus 5 spricht Jesus von der Müllhalde (Matthäus 5,30), jetzt von der Verschwendung und der Auslöschung.
Das Ende eines Lebens ohne Gott wird in der Bibel sehr unterschiedlich beschrieben. Als eine Trennung zwischen rechts und links (Matthäus 25,41), drinnen und draußen (Lukas 13,25), ohne Vergebung in Ewigkeit (Markus 3,29), vom Verbrennen (Matthäus 3,12 / Johannes 15,6) und in der Offenbarung vom zweiten Tod (Offenbarung 20,14).
Mit den Versen 21 bis 23 kommt Jesus zum eigentlichen Kern. Die Menschen zählen auf, wo sie überall mitgearbeitet haben, doch es geht darum, ob sie sich Jesus geöffnet haben – motiviert von seiner Liebe. Jesus sagt: „Ich habe euch nie gekannt“ (Vers 23). Ich lerne jemanden kennen, indem wir miteinander sprechen – so wie zwei verliebte Menschen. Es geht darum, sich Jesus mitzuteilen, auf ihn zu hören und umzusetzen, was er sagt.
Wir können noch so christlich leben, aber wenn wir uns nicht für Christus öffnen, dann haben wir den Willen Gottes nicht umgesetzt und unser Ziel einer Liebesbeziehung zu Gott verfehlt.
Jesus verwendet den Ausdruck „Ich habe euch nie gekannt“ dreimal. Im Matthäusevangelium sagt er es auch noch zu den fünf Jungfrauen, die es in ihrem Leben versäumt haben, sich um ihren Glauben zu kümmern (Matthäus 25,12).
Mit dem Schlussbild von den zwei Häusern sagt Jesus: Der Glaube muss sich in den Stürmen des Lebens bewähren. Bei den Menschen, die sich nur um sich selbst und ihre Bedürfnisse gekümmert haben, bröckelt der Glaube, wenn nicht alles so läuft, wie sie es sich vorgestellt haben.
Am Ende unseres Abschnitts heißt es: „Das Volk entsetzte sich über seine Lehre“.
Als Jesus in Kapernaum lehrte, gab es die gleiche Reaktion. In Johannes 6,60 heißt es: „Viele nun von seinen Jüngern, die es gehört hatten, sprachen: Diese Rede ist hart. Wer kann sie hören?“ und ab Vers 66: „Von da an gingen viele seiner Jünger zurück und gingen nicht mehr mit ihm. 67 Da sprach Jesus zu den Zwölfen: Wollt ihr etwa auch weggehen? 68 Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollten wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens.“
Bei Jesus kann man sich nicht nur Rosinen herauspicken. Mit manchen Aussagen von Jesus tun wir uns schwer. Sie passen auch nicht in unser Denkschema. Vielleicht sind wir in manchen Fragen anderer Meinung. Aber Gott richtet sich nicht nach der Meinung der Masse. Bei ihm ist es nicht so, wie in den sozialen Medien. Dort meint man, was die meisten liken sei wahr.
Gott will uns sagen, wie er sich das Leben gedacht hat und wie das Leben gelingt. Er will uns die Hand reichen für einen Neuanfang mit ihm.
Es geht nicht um eine Wahl des Ortes, sondern darum, ob wir Jesus wollen. Ob wir uns ihm öffnen und uns ihm zuwenden. Es gibt Menschen, die wollen in den Himmel, aber sie wollen Gott nicht so, wie er sich uns in Jesus offenbart. Es geht nicht um einen Ort, sondern um eine Person. Wer Gott nicht will, für den ist die Gegenwart Gottes im Himmel störend. Er erträgt sie nicht.
Erschüttert hat mich die Frage einer Frau aus einer Freikirche. Als ihr Mann gestorben war, fragte sie: „Er ist doch jetzt im Himmel, oder? Er hat so viel in der Kirche mitgearbeitet.“
Jesus sagt: Es geht nicht um Mitarbeit. Es geht darum, ob wir offen sind für Jesus. Ob wir ihm unsere innersten Gedanken sagen und uns von ihm verändern lassen. Deshalb spricht Jesus auch vom Paradox, dass wir nicht das ewige Leben erhalten werden, sondern das ewige Leben haben, wenn wir uns mit ihm verbinden.
Jesus sagte zu Marta: „Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist; 26 und jeder, der da lebt und an mich glaubt, wird nicht sterben in Ewigkeit.“ (Joh. 11,25-26)
Und in Johannes 3,18 heißt es: „Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des einzigen Sohnes Gottes.“
Vielleicht denken einige, das kann doch nicht sein, dass nur wenige den Weg mit Gott gehen. So ging es auch einem Mann in Lukas 13,23-27. Dort heißt es: „Es sprach aber jemand zu ihm: Herr, sind es wenige, die gerettet werden? Er aber sprach zu ihnen: 24 Ringt danach, durch die enge Pforte hineinzugehen; denn viele, sage ich euch, werden hineinzugehen suchen und werden es nicht können. 25 Sobald der Hausherr aufgestanden ist und die Tür verschlossen hat und ihr anfangen werdet, draußen zu stehen und an der Tür zu klopfen und zu sagen: Herr, öffne uns!, wird er antworten und zu euch sagen: Ich kenne euch nicht und weiß nicht, woher ihr seid. 26 Dann werdet ihr anfangen zu sagen: Wir haben vor dir gegessen und getrunken, und auf unseren Straßen hast du gelehrt. 27 Und er wird sagen: Ich sage euch, ich kenne euch nicht und weiß nicht, woher ihr seid. Weicht von mir, alle ihr Übeltäter!“
Die Worte Jesu sind herausfordernd. Die Worte: „Wer sucht, der findet“ (Matthäus 7,7), die unserem Text vorangestellt sind, helfen uns, alles besser einzuordnen.
Gott sucht Menschen, die sich ihm öffnen. Er bietet einen Neuanfang an. Wer ihn nicht will und sich von ihm abwendet, verschwendet aus Gottes Sicht sein Leben.
Im Reich Gottes geht es um meine Liebesbeziehung zu Gott. Der Himmel ist kein Treffen einer bestimmten Gruppe. Es geht allein um meine Liebe zu Gott und mein Vertrauen in ihn.
Die entscheidende Frage ist nicht, ob ich Jesus kenne, sondern, ob Jesus mich kennt, weil ich mich ihm öffne.
Nach diesem Text geht es nicht um Mitarbeit, Leistung oder Interpretation, sondern um das Gespräch mit Jesus und die Bereitschaft umzusetzen, was er uns sagt.
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